Gastkommentar für die Zeitung „Soziale Hilfe Aktuell“

Im Dezember 1998 wurde ich Pfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Kassel. Als ich ins Pfarrhaus einzog, wunderte ich mich über einen Container, der auf dem Kirchenparkplatz hinter dem Pfarrhaus stand. Der Kirchenvorstand erklärte mir, dass dies ein Wohncontainer sei, in dem obdachlose Menschen über die Wintermonate eine Notschlafstelle finden würden.

SHK

23.03.2007

Dies war mein erster Kontakt zum Verein Soziale Hilfe Kassel. Jedes Jahr im Herbst wird so ein Container hinter dem Pfarrhaus aufgestellt und im Frühjahr wieder abgeholt.
Der Strom für den Container wird aus dem Pfarrhaus geholt und Wasser bekommen die Bewohner aus dem benachbarten Gemeindehaus.

"Ich finde das sehr gut."

Immer wenn ein neuer Bewohner in den Container zieht, klingelt ein Mitarbeiter des Vereins am Pfarrhaus, um den neuen Bewohner vorzustellen. Ich finde das sehr gut. Denn es ist schön, dass man die Menschen kennt, die in der Nachbarschaft wohnen. Und es ergeben sich immer mal wieder gute Kontakte und Gespräche zu den Bewohnern. Im Pfarrhaus helfen wir gerne bei kleinen Problemen und wir freuen uns mit, wenn zum Beispiel einem Bewohner durch die Mitarbeiter des Vereins eine Wohnung vermittelt werden kann.


Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die Menschen aus unserer Gemeinde den Wohncontainer akzeptiert. So kommt es vor, dass die Nachbarn gerade in der Advents- und Weihnachtszeit mit Kuchen am Container vorbeischauen.
Wie intensiv die Kontakte sind

, hängt von den einzelnen Bewohnern ab. Gut betreut werden sie von den Sozialarbeitern des Vereins und im „Panama“ haben sie einen Ort, an dem sie sich tagsüber aufhalten, treffen und miteinander reden können.
Natürlich gibt es manchmal auch Probleme. Ein Bewohner wird krank, kommt mit den Nachbarn nicht zurecht oder hat persönliche Schwierigkeiten. Dann ist es gut für mich zu wissen, dass es im Verein jederzeit einen Ansprechpartner gibt, der sich kümmert. Die SozialarbeiterInnen waren immer da, um sich der Sorgen und Probleme der Bewohner anzunehmen.
Ich finde es sehr wichtig, dass es diesen Verein mit seiner Arbeit für Menschen gibt, die Hilfe brauchen. Die Notschlafstellen sind im Winter unverzichtbar für die Menschen, die auf der Straße leben. Und das Engagement der Mitarbeiter für die Menschen in Not ist bewundernswert.
In einer Zeit, in der Menschen mit Problemen immer mehr an den gesellschaftlichen Rand gestellt und ausgegrenzt werden, ist es gut, dass es diese sozialen Einrichtungen gibt, die Not sehen, zupacken, helfen und Probleme lindern.

Uta Feußner, Pfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Kassel



Newsletter

Veranstaltungen, Nachrichten, Brennpunkte: Mit dem Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden.